Eichrechtskonforme Ladesäulen dank SAM

Der Elektromobilitätsmarkt ist stark am wachsen - und mit ihm auch der Bedarf an Ladestationen. Damit beim Laden alles korrekt zugeht und die Verbraucher sich auf die Abrechnungen verlassen können, müssen die Ladestationen seit 2019 eichrechtskonform sein. 

Doch wer oder was ist dieses Eichrecht? Wie werden Ladestationen eichrechtskonform? Und was macht die lokale Lösung SAM hier so attraktiv? Diesen Fragen geht Compleo für Sie in kompakten Beiträgen nach. Verschaffen Sie sich einen schnellen und fundierten Überblick über diese Thematik - und Sie werden sehen, wie man das Eichgesetz trotz seiner hohen Anforderungen und Komplexität in der Entwicklung am Ende sinnvoll und intelligent am Markt realisieren kann.

Wie funktioniert SAM?

SAM® einbauen – und schon ist Ihre Ladestation eichrechtskonform. Keine Wartung, keine Cloud-Software, keine monatlichen Kosten. Das alles ermöglicht das zertifizierte Speicher- und Anzeigenmodul (kurz SAM®). Doch wie sieht die Lösung von Compleo im Detail aus?

Seit 2019 müssen Ladestationen auf Basis des novellierten Eichrechts eichrechtskonform sein. Compleo hat sich für eine lokale Lösung entschieden, die stabil, zuverlässig und sicher ist. Sie funktioniert ganz ohne zusätzliche Einschränkungen oder irgendwelche laufenden Kosten. Bis zur Marktreife war es jedoch ein langer Weg.

Zweieinhalb Jahre dauerte es, das SAM® zu entwickeln. Weil die bis dahin einzige eichrechtskonforme Lösung am Markt aus Sicht von Compleo nicht optimal war, entwickelte Compleo rund um Teamleiter der Elektrotechnikentwicklung Ingo Stahl eine lokale Lösung für Ladestationen, die in der Praxis zu überzeugen weiß. Die Zielsetzung lautete, dass die Betreiber mit der Inbetriebnahme des Speicher- und Anzeigemoduls das Thema Eichrecht entspannt abhaken können. Das Bereitstellen eines zusätzlichen Backends durch den Betreiber sowie der damit einhergehende Lock-in-Effekt durch den Anbieter entfallen somit.

Um maximale Flexibilität zu gewährleisten, war es den Entwicklern wichtig, dass der Endkunde keine Transparenzsoftware benötigt.

 

„Das lokale Konzept bedingt, dass ich alles innerhalb der Ladestation löse, wodurch nichtreproduzierbare Messungen gespeichert werden können. Das wiederum ist für eine eichrechtskonforme Realisierung notwendig“

 

erklärt Ingo Stahl. Aus seiner Sicht sei das die sinnvollste Lösung, „um nicht irgendwelche Server aufstellen zu müssen oder sich darüber Gedanken zu machen, wo es gespeichert wird und welche Beteiligten es am Geschäftsvorgang gibt. Daher war die lokale Umsetzung für uns am naheliegendsten“. Und statt Betreiber zu binden, werden diese mit dem SAM® dazu befähigt, das Eichrecht schlank und nachhaltig zu realisieren.

Für die Realisierung von SAM® schaute Compleo zunächst, welche Lösungen es bereits am Markt gab und welche Konzepte darüber hinaus existierten. Auf diese Weise fanden die Ingenieure schnell heraus, wie man das präferierte Konzept am besten umsetzen kann.

Herausfordernd waren vor allem die vielen Behördengänge. Technisch stellte die elektromagnetische Verträglichkeit, kurz EMV, die größte Herausforderung dar. „Für Zusatzgeräte eines Zählers gibt es keine Produktnorm, wodurch wir das SAM® genauso wie die Stromzähler nach der Zählernorm zertifiziert haben“ erklärt Stahl. Diese Norm enthält EMV-Anforderungen, die dreimal höher sind als bei normalen Ladesäulen.

„Selbst Medizingeräte haben keine so hohen Anforderungen wie die Zählernorm bei der Einstrahlung.“

Das sorgte für einen entwicklungstechnischen Aufwand, bei dem mehrere Male gemessen, korrigiert und optimiert werden musste.

Zweieinhalb Jahre später war die hauseigene Lösung fertig – und genauso wie der Fertigungsstandort selbst erfolgreich bei der Physikalisch-technischen Bundesanstalt (PTB) zertifiziert. „Rückblickend sind mein Team und ich stolz darauf, den straffen Zeitplan eingehalten zu haben“, freut sich Stahl über diese Leistung. Als nächstes arbeiten die Ingenieure nun an der Entwicklung eines zertifizierten DC-Stromzählers.

So werden Ladesäulen eichrechtskonform

Seit dem 31.03.2019 müssen Ladestationen eichrechtskonform sein. Was bedeutet das genau, welche verschiedenen Lösungen gibt es dafür – und geht das auch noch nachträglich? Das alles beantworten wir in diesem Artikel.

Elektroautos gehört die Zukunft. An Ladestationen werden sie mit Strom beladen. Doch wie können die Verbraucher sich darauf verlassen, nur den Strom zu bezahlen, den sie auch tatsächlich geladen haben? Um hier eine zuverlässige Antwort gewährleisten zu können, existiert das Eichrecht.

Darin ist festgelegt, welche Anforderungen für Messgeräte einzuhalten sind, um verlässliche Messergebnisse zu erzielen. Die Ergebnisse müssen überprüfbar sein sowie in geeigneter Form dargestellt und gegen Verfälschung gesichert verarbeitet werden. (Für mehr Informationen lesen Sie „Das Eichrecht leicht erklärt“.)

Als Lösung haben sich zwei verschiedene Ansätze herauskristallisiert: per Software oder per Hardware. Eine Software-Lösung benötigt eine Benutzeroberfläche für die Endkunden, was zusätzlichen Aufwand an (Lizenz)Kosten und Wartung mit sich bringt. Kurzum: der Aufwand steigt bei Software. Weiterhin ist der Betreiber von Ladestationen bei Software-Lösungen zumeist an die IT-Lösung dieses Anbieters gebunden. Ein flexibler Wechsel zu einem anderen Anbieter ist meist nicht möglich.

Stabil, zuverlässig und sicher hingegen ist eine Hardware-Lösung. Sie funktioniert ganz ohne zusätzliche Einschränkungen durch Software oder irgendwelche monatlichen Kosten. Weitere Lizenzgebühren beispielsweise entfallen und der Betreiber muss keine Cloud-Software mitliefern. Stattdessen kann er wie gewohnt auf diverse standardisierte Backend-Anbindung zurückgreifen.

Auf solch eine Lösung setzt auch Compleo mit dem zertifizierten Speicher- und Anzeigemodul (kurz: SAM®). Das SAM® ist eine lokale Lösung innerhalb der Ladestation. Die Erneuerung ist bei Compleo bereits zertifiziert, sodass bestehende Ladestationen eichrechtskonform aufgerüstet werden können. Es ist ebenso wie der Fertigungsstandort selbst sowohl Modul B- als auch Modul D-zertifiziert, um eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten und dadurch die Anforderungen des Eichrechts zu erfüllen. Zudem ist im SAM® bereits ein integrierter Speicher vorhanden, wodurch die Bereitstellung einer zusätzlichen Software zum Sichern der Werte entfällt.

Mittlerweile sind alle AC-Ladestationen von Haus aus mit dem SAM® ausgestattet und somit eichrechtskonform. An DC-Ladestationen arbeitet Compleo bereits. Bereits bestehende Ladestationen können mit dem SAM® nachträglich ausgestattet werden, um ebenfalls den Gesetzesanforderungen einer zuverlässigen Messung und Abrechnung zu entsprechen.

Das Eichrecht leicht erklärt

Ladesäulen müssen seit 2019 geeicht sein. Doch was ist dieses Eichrecht eigentlich, wo begegnet es uns noch und warum ist es für Ladesäulen notwendig? Das und viele weitere Grundlagen erklären wir in diesem Artikel.

Das Eichrecht setzt sich zusammen aus dem „Mess- und Eichgesetz“ (MessEG) und der „Mess- und Eichverordnung“ (MessEV). Darin ist festgelegt, welche Anforderungen für Messgeräte einzuhalten sind, um verlässliche Messergebnisse zu erzielen. Die Ergebnisse müssen überprüfbar sein sowie in geeigneter Form dargestellt und gegen Verfälschung gesichert verarbeitet werden.

Vereinfacht gesagt regelt das Eichrecht alle grundsätzlichen Bereiche, in denen nach Menge abgerechnet wird – etwa beim Auffüllen einer Ölheizung oder beim Stromzähler im Haus. Für die Verbraucher ist der Bezug zum Eichrecht oft unauffällig – und doch allgegenwärtig: Zum Beispiel müssen alle Zapfsäulen an Tankstellen oder alle Waagen in Supermärkten geeicht sein. Dadurch wird sichergestellt, dass beispielsweise 100 gewogene Gramm auch wirklich 100 Gramm sind.

Und wie beim Tanken möchten sich die Verbraucher auch beim Laden darauf verlassen können, dass nur der Strom abgerechnet wird, der beim Laden geflossen war. Bei Ladesäulen ist das Eichrecht sogar noch wichtiger, denn: Es gibt dort normalerweise weder Kassenhäuschen noch Kassenzettel, eine Barzahlung beispielsweise ist nicht möglich. Daher dürfen nur noch eichrechtskonforme Ladesäulen aufgestellt werden.

Eichrechtskonform sein bedeutet nichts anderes als den Vorgaben der Eichverordnung zu entsprechen. Dafür sorgen staatlich anerkannte Prüfstellen, die die Eichung der Ladesäulen durchführen. Die Aufsicht über das Messwesen führt die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) durch. Als solches fällt sie in den Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Eichämter wiederum führen die Eichungen durch oder überwachen diese.

Generell lässt sich sagen: Das Eichrecht ist dann notwendig, wenn eine Messung nicht wiederholbar ist und nicht beide am Geschäftsvorgang beteiligten Parteien gleichzeitig anwesend sind. In solch einem Fall muss der Vorgang auf andere Weise gesichert werden, etwa indem man wie beim Speicher- und Anzeigemodul (SAM) den Vorgang direkt in der Ladesäule speichert und somit auch zu einem späteren Zeitpunkt kontrollierbar macht.

Kurzum: Das Eichrecht gewährleistet, dass Verbraucher nur das bezahlen, was sie auch bekommen haben.

Lokale Lösung SAM: Warum die Vor-Ort-Überprüfung kein Problem darstellt

  • Die Anforderungen des Eichrechts lassen sich sind mit einem „lokalen Konzept“ wie SAM® erfüllen.
  • Diese vertrauensbildende Maßnahme macht eine erneute Überprüfung der gemessenen Werte in der Praxis überflüssig.
  • Der Versand aller gemessenen und abrechnungsrelevanten Werte an das CPO-Backend über das offene Ladepunktprotokoll OCPP ist sichergestellt. 
  • Das CPO erhält die Möglichkeit, den Speicher von SAM® via Fernwartung auszulesen.
  • Auch bei Alternativlösungen, die eine Fernanzeige in Form einer Transparenz-Software anbieten, ist im Streitfall letztendlich der Public-Key, der auf dem Ladepunktzähler angebracht ist, bindend. Dies würde ebenfalls eine Vor-Ort-Überprüfung erfordern, um die Korrektheitdes Public Keys festzustellen.
  • Alle Anforderungen des Eichrechts werden erfüllt.
  • Die Nutzer könnenauf Wunsch am Ende des Ladevorgangs die Messergebnisse abfotografieren
  • Auch bei Alternativlösungen der GLF ist im Streitfall eine Vor-Ort-Überprüfung des Public-Keys notwendig.